Fliegenkopf-Verlag
Der Fliegenkopf-Verlag wurde am 1. April 1990, also noch zu DDR-Zeiten, durch Herrn Jörg Hebestedt gegründet. Das erste Buch war der Reprint von "Studentensprache und Studentenlied in Halle vor hundert Jahren", das Max Niemeyer 1894 zum Universitätsjubiläum veröffentlicht hatte. Ihm folgten sehr schnell weitere Nachdrucke regionalgeschichtlicher Bücher.
Bei der Namensgebung ging es darum, sich von der Beliebigkeit der Namen der damals in großer Zahl im Osten entstandenen Verlage abzuheben. Der Begriff "Fliegenkopf" stammt aus der Setzersprache. Er bezeichnet im Handsatz mit dem Fuß nach oben gestellte Buchstaben als Zeichen, dass die entsprechende Type vorübergehend nicht vorrätig oder der Buchstabe im Manuskript nicht deutlich lesbar war. Die Typen haben auf dem Fuß eine Kennzeichnung, die eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Kopf einer Fliege erkennen läßt. Sie wurden nach Vorlage des Korrekturabzuges gegen die richtigen ausgetauscht. Fliegenköpfe finden sich auch bis weit ins 19. Jahrhundert hinein gelegentlich als solche bewußt gedruckt, wenn die Zensur bestimmte Textstellen verboten hatte. Die Namensgebung des Verlages sollte allerdings nicht etwa darauf schließen lassen, dass Ersatzlösungen und Halbheiten angeboten werden, sondern wollte auf die Verbundenheit mit Gediegenheit handwerklicher Traditionen bei der Buchherstellung hinweisen.